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Was ist Musik? – Der Rhythmus

Wir leben inmitten von unzähligen Rhythmen,

die uns meistens als solche gar nicht bewußt sind: „Alle lebendigen Abläufe haben ihre eigenen rhythmischen Muster. Das Einfachste, der Zweiertakt, ist mit der Rhythmik des Gehens und des Herzschlages verbunden. Das andere universale Grundmuster, der Dreiertakt, entstammt der Rhythmik des Atmens. Diese Körper- und Zahlenlogik ist der Grund dafür, daß es keine anderen Rhythmen als Zweier und Dreier gibt. Alle anderen sind Spielformen oder Kombinationen davon.“ (HEGI, 32). Rhythmus bezeichnet immer eine Ganzheit, die viele andere Begriffe miteinschließt: Puls, Schlag (Beat), Takt, Metrum, Groove, Vibration, … oder Zeit, Epoche, Zyklus, Periode u.a.m.

Es gibt auf dieser Welt

verschiedene Rhythmus-Kulturen. In der unsrigen herrscht der 2er- bzw. 4er-Rhythmus vor, sogenannte gerade Rhythmen, der 3er ist uns etwas fremder, 5er-, 7er-, 10er-, 11er-Rhythmen existieren für die meisten westlichen Menschen nicht, während sie in Indonesien zur Volksmusik, genauer: dem Gamelan, gehören.

„Jeder Rhythmus hat seinen persönlichen Charakter

– ebenso hat jede Person ihren charakteristischen Rhythmus.“ (HEGI, 33) Doch haben – laut HEGI – Menschen in industrialisierten Ländern die Verbindung zu dem Ur-Rhythmus (der sich aus Arbeitsabläufen und Fortbewegungsarten bzw. der kulturellen Entsprechung Tanz entwickelt hat) und vor allem zu ihrem persönlichen Rhythmus verloren; so besteht ein Zusammenhang zwischen Störungen im rhythmischen Lebensablauf und modernen Zivilisationskrankheiten: „All die menschlichen Schicksale wie beispielsweise Fettleibigkeit, Herzkrankkeiten, Atem- und Gefühlsflachheit, Schlafstörungen, Sucht, Depression und Suizidalität sind vergleichbar mit einer Trommel, deren Fell so lange gegen ihre eigene Schwingung geschlagen wird, bis dieses reißt. Die Trommel existiert noch, aber sie klingt nicht mehr.“ (HEGI, 35)

Ein neuer Lebensrhythmus

muß gefunden werden, das Wunschziel bildet eine geschlossene rhythmische Gestalt, die – umgangssprachlich gesagt – ‚gut drauf‘ ist, was bedeutet: „… auf einem guten, pulsierenden oder gemeinsamen rhythmischen Gefühl sein, eine Zeit in Gestalt erleben, die Energie gibt und trägt. Rhythmus ist Zeit-Gestalt, die Erlebbarkeit der Zeit schlechthin.“ (HEGI, 36)

„Rhythmus ist Leben.“ (HEGI, 32)

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

3 Kommentare

  1. Ich find den Text sehr gut ich stimme dir in allen Punkten zu!
    Mir ist das noch garnicht aufgefallen das fast in allem ein Rhythmus vorhanden ist wie gerade bei tippen.
    Großes LOb super Text.

  2. Pingback: Die Gestalt der Musik nach Hegi - Muzik23

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