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Lover 303 – Alien Revolution

Lover 303 Alien Revolution

„Könntest du zu der lover 303 cd ne rezi oder sowas schreiben?“, fragte mich Conni. Oh je, mir fehlt hinten und vorn die Zeit. Aber kann man der wunderbaren Elektrofrau einen Wunsch abschlagen? Ich nicht. Wobei: Schuld an dieser Rezi ist die gestrige Party, nach der ich diese CD in einem schwachen Moment wieder in den Rechner schob. Denn ich wollte sie möglichst nicht mehr hören. Weil sich die Songs dermaßen in die Gehörgänge fräsen, dass tagelang und unaufhörlich Sätze wie „normal ist nicht normal“ als Mantra durch meine Gehirnwindungen mäandern. Aber da es nun sowieso zu spät ist…

Okay, werden wir sachlich. Lover 303 startete 1999 als ein Projekt mit live improvisierter Musik von Mani Neumeier (Guru Guru) und Conni Maly (Lava 303). Conni kennt man in Frankfurt am Meer längst durch wilde Zeiten mit The Slags. Guru Guru ist jedem Krautrockfan ein Begriff. Dann haben sich die beiden auch noch meinen Kumpel Member geschnappt, mit dem ich vor 20 Jahren in Phasen vieler musikalischer und literarischer Projekte gestartet bin. Kurz und gut: Ich bin ein Fan von allen Drei.

Aus zwei intensiven Tagen in den Frankfurter Performance Studios wurden 70 Minuten destilliert. Dabei herausgekommen ist eine wilde Mischung jenseits der üblichen Conventionen. Hypnotisch, politisch, eingängig, mitreißend vom ersten bis zum letzten Ton. Gefährliche Mukke! Mani schreibt von „Acid Rock’n’Roll & Voodoo Trance“. Conni nennt es „eine hypnotische Mischung aus Songs, Elektro/Acid Rock und Psychedelic Trance“. Das trifft es alles so genau und unpräzise, dass ich mir keine neuen Schubladen ausdenken muss.

Guru Mani trommelt sich – teils unterstützt von elektronischen Beats – wie eh und je die Seele aus dem Leib, dass es unmöglich ist, die Füße still zu halten. Member groovt am Bass ein absolut amtliches Fundament ohne unnötige Schnörkel oder spact an Synthi und Orgel, dass die Synpasen bunt schillernde Blasen werfen. Conni reißt ihren Marshall auf und reitet auf ihrer E-Gitarre wilde Loopings um den Blocksberg. Um dann dem Ganzen gesanglich facettenreich die Krone aufzusetzen. Ihre Stimme ist ein süßes Girlie, das plötzlich hinterm Rücken ein bluttriefendes Messer hervorholt, sich die Kleider vom Leib reißt und mit frischem Hühnerblut beschmiert wilde Beschwörungen keucht.

Die Songs? Da ist die Occupy-Hymne „Neues System“. Da sind Lava 303 Hits wie „Mama muss mal tanzen gehen“ und „Frankfurt am Meer“ in neuem Gewand. Und abgefräste Sessionsongs. Krautrock meets Techno meets Singer/Songwriter meets wasauchimmer. Und trotz der wilden Mischung wirkt alles aus einem Guss. Geht in die Beine und lässt den Kopf explodieren.

Und gar noch deutsche Texte. Politisch („Neues System“, „nicht normal“, „Der Wahnsinn unserer Zeit“). Emanzipiert („Die Mama muss mal tanzen gehen“). Hypnotisch („Alien Revolution“). Augenzwinkernd biografisch („Frankfurt am Meer“, „Ich lieb dich von fern“). Oder einfach gutturalesk. 2raumwohnung für Acid-Rock’n’Roller, Ton Steine Scherben der neuen Zeit. Wenn ich dann doch mal Assoziationen anbringen darf 😉 Texte, die sich aufgrund ihrer Eingängigkeit und einer gewissen Redundanz im Kopf festsetzen.

Also: Hör rein in die CD. Kauf diesen Silberling. HIER KLICKEN! JETZT! Aber sei dir bewusst: Es kann sein, du kriegst es so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Und wenn du die Drei live erleben kannst: GEH HIN! Kann sein, wir treffen uns dort. Bin ja ein männliches Groupie… Und die CD tue ich wieder schleunigst weg… *normalistnichtnormallalala*

Und bis die CD im Briefkasten ist, hier einige der Songs (und noch viel mehr) in den Versionen von Lava 303:

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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