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Bassisten sind arme Schweine

Als die Musik elektrifiziert wurde und der Rock’n’Roll seinen langen Weg zur Spitze begann, waren Bassisten noch coole Typen. Männer mit Hundehütten, die ihren Kontrabass herumwirbelten, darauf ritten und einfach eine gute Show boten. Rockabilly-Bands wie die Stray Cats haben dieses Feeling treu bewahrt.

Doch als die Herren Fender & co. auch den Bass elektrifizierten, wurden wir erstmal zum Arsch mit Ohren. Der Bass war nur ne Gitarre mit vier Saiten. Also gab man ihm dem Typen in der Band, der mit sechs Saiten überfordert war. Vielleicht klappte es ja mit weniger. Zur Not konnte er sich ja auch auf die beiden ersten beschränken, oder? “Manche spielen Bass, andere spielen besser”, welchem Basser hat sich bei diesem Spruch nicht schon der Magen herumgedreht?

Das einzig andere Bandmitglied, das sich ebenfalls dumme Sprüche anhören durfte, war der Drummer, das andere Mitglied der Rhythmusgruppe. Aber erstens gab es nur einen davon, zweitens hatten Drummer schnell den Ruf, mit ihrem Spiel Agressionen zu sublimieren. Und wer will sich schon mit so einem potentiellen Schläger anlegen? Drittens emanzipierten sie sich schlichtweg schneller.
Der Weg war hart und steinig vom schlechtesten Gitarristen der Band bis zum Bassisten mit eigenem Profil. Wohlgemerkt im Rock, der Jazz hat auch bei der Elektrifizierung die Bedeutung des Tieftöners nie vergessen. Erst der Funk brachte den wirklichen Durchbruch ins Bewusstsein, der Daumen wurde zum missing link, der den gemeinen Basser vom Künstler unterschied.

Vorher gab es noch Filme wie “Die Heartbreakers”, ein deutscher Beitrag zum Thema “Jugendliche gründen in den wilden Zeiten eine Rockband”. Wer durfte den Bass bedienen? Der Typ, dessen Vater ein Musikgeschäft hatte und so die Band ausstatten half. Ertragen hätte ihn sonst keiner, diesen Typen ohne Eier, ohne Mumm in den Knochen. Da war es, so richtig exemplarisch: Bassisten sind nicht nur minderbemittelte Musiker, sondern auch schwache Persönlichkeiten. Als hätten wir nicht schon genug zu leiden gehabt. Eine regional recht erfolgreiche Frankfurter Band persiflierte das Ganze Mitte der Neunziger mit ihrem Bandnamen “Der Bassist ist ein Arschloch”.

Dasselbe Sujet wie Heartbreakers – Heranwachsende machen Rockmusik – bringt seit August 2004 der US-amerikanische Film School of Rock auf DVD. Ein geiler Film, der so richtig zeigt, was Rock für einen Musiker bedeuten kann. Witzig, umwerfend, begeisternd. Nur leider mit einem Haken: Bassisten sind wieder einmal die Dummen. Der Basser mit dem Dewey Finn zusammenwohnt, ist eine Lusche, ein harmoniesüchtiger Typ ohne Rückgrat. Dito der Basser seiner Band, aus der er wegen übertriebenen Posens herausfliegt. Die Chance zum Einlenken gäbe es bei der Kiddieband “School of Rock”, die Jack Black gründet. Endlich sogar eine Frau am Bass. Doch spätestens im Abspann auch hier der böse Nackenschlag: jeder in der Band darf ein kleines Solo spielen, sogar der Drummer. Wer nicht? Richtig, die Bassistin. Dabei sollte sie aufgrund ihrer klassischen Ausbildung als Cellistin problemlos dazu in der Lage sein, einen kurzen Rock’n’n-Roll-Riff runterzureissen. Aber nein.

Okay, Leute, wir hatten in der letzten Zeit eine Menge biographischer Verfilmungen. Wann kommt das Leben von Jaco Pastorius ins Kino? Basser brauchen auch mal Helden.

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

5 Kommentare

  1. Oh man,du bist echt cool. Meine Bandmitglieder denken auch der Bass ist ein billig – Instrument. Naja, jetzt hab ich aber angefangen mit 3 Fingern zu spielen und meine Funk Künste zu verbessern … Jetzt lachen sie nicht mehr über mich, weil ich so schnell bin, dasss sie meinen Fingern nicht folgen können.

  2. Doktor von Pain

    08/11/2006 @ 22:16

    Ich spiele seit 8 Jahren Bass und (E-)Gitarre seit ca. 10 jahren. Gut, Bassist in einer Rockbald wie AC/DC zu sein ist sicherlich todlangweilig, aber beim Drummer sieht’s da genauso aus. Ich kann jedenfalls sagen, dass der Bass oftmals deutlich komplizierter zu handhaben ist als die Rhythmusgitarre. Dies ist jedenfalls im Metal so, wo ich herumlärme.

  3. ich spiel selber bass,und finde das mann sehr viel kreativität sich aneignen muss um wirklich was drauf zu haben,slapping,tapping,popping etc
    ich find bass umfangreicher als die gitarre,mann siehe flea von den chilli peppers
    was der da runterjammt ist eine kunst für sich …ich find auch plek spiel am bass total sinnlos,da kann man im grunde gleich mit gitarre anfangen.den spiel mal im metal bereich mit den fingern so schnell wie der gittaro mit den blanken fingern und immprovisiere noch dabei!das ist bass spielen

  4. Ich hab früher als Gitarrist auch immer so gedacht. Dann hab ich irgendwann das Slappen entdeckt und habe entschieden mir auch einen Bass zu kaufen. Inzwischen spiele ich kaum noch Gitarre und konzentriere mich voll und ganz auf das Bassspielen. Im Grunde stimmt es, Bassisten die normal spielen müssen eigentlich nichts können; aber wem das zu doof ist, der kann sich auch bessere Techniken aneignen. Die Lieder heutzutage sind auch einfach nur noch primitiv. Stundenlang wird nur der gleiche Ton in Achteln angeschlagen.
    Wirklich Spass macht der Bass erst bei komplexeren Sachen. Die von hannös erwähnten Chilli Peppers sind z.B. ein kleiner Einstieg. Beispielsweise in "Can’t Stop" wird dem Bass sehr viel Wert zu geschrieben. Das Lied wäre ohne das geslappte Riff einfach nicht dasselbe. -.-

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