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Freie Verbreitung für kreative Cover-Musik

Immer wieder begegnen uns in den Weiten des Netzes unglaublich kreative Mutationen bekannter Musikstücke. Leider haben die Macher dieser Persiflagen oder Covers in der Regel keine Erlaubnis zur Verbreitung, so dass sich das Ganze eher versteckt abspielt. Eine Verbreitung der Cover wird dadurch allerdings nicht verhindert. Niemand profitiert also davon, weder die Urheber des Originals noch die des Covers. Wie gesagt, ich rede hier nicht vom stumpfen Nachspielen eines Titels, sondern einer kreativen Eigenleistung.


Prominentestes Beispiel ist aktuell Beatallica. Hier wurde wohl dank einflussreicher Fürsprache eine Lösung jenseits der Rechts-Hyänen gefunden. Aber was ist mit den kleinen Künstlern, den einsamen Soundtüftlern, den Garagen-Bands? Wieviele geniale Cover-Versionen schlummern in Schubladen vor sich hin? Ich kenne selbst viele, die nur privat weiter gegeben wurden. Wieviele von euch haben sich allein über – nicht immer jugendfreie – Persiflagen von Schnappi weggelacht?
Im Grunde muss eine offizielle Regelung her. Wie wäre es damit, wenn jeder Künstler, der ein Musikstück so verändert hat, dass eine eigene kreative Leistung erkennbar ist, dies frei publizieren kann? Erst dann, wenn dadurch Einnahmen entstehen, muss ein von der GEMA festgesetzter Prozentsatz gezahlt werden, den die GEMA dann an die Urheber weiterleitet.
Von dieser Lösung profitieren alle: die Urheber des Originals, die zusätzliche Einnahmen durch die Cover haben; die Urheber der Cover, die endlich aus der bedrückenden Situation herauskommen, illegal zu handeln und sich oder ihr Produkt verstecken zu müssen. Und wer weiss, vielleicht profitiert auch die Industrie davon, wenn neue Talente an die Öffentlichkeit treten dürfen und produziert werden können.
Also: weiterhin restriktives Vorgehen, das unter logischen Gesichtspunkten niemandem etwas bringt oder eine Win-Win-Situation? Die Entscheidung darüber liegt wieder einmal bei den falschen Leuten: den Betonköpfen der Musikindustrie.

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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