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Chinaskis Revenge

Die Band

ChinaskiWas ist der größte Traum eines Bassisten? Richtig: ein Drummer, mit dem er sich blind versteht und optimal ergänzt. Skurril wird es, wenn die beiden auch noch in demselben kleinen saarländischen Dorf leben und sich jahrelang nie kennen lernen. Doch 1989 war es soweit: die Wege von Mirko Schmitt und Frank Doerr, beides Ausnahmemusiker an ihren Instrumenten, trafen sich endlich. Mirko spielte bereits mit sechs Jahren Schlagzeug und sorgte in der saarländischen Musikszene für Aufsehen, indem er bereits in jungen Jahren in renommierten Showbands die Sticks schwang. 1989 war gerade die erste, vom englischen Metal Hammer hochgelobte LP seines Trios „Extreme Noise“ erschienen, dem saarländischen Äquivalent zu den „Red Hot Chili Peppers“.

Bei der ersten Session war „Speed“ dabei, ein Gitarrist, den beide aus ihrer Phase bei der „Uwe Peter Bande“ kannten (da Frank allerdings ausgestiegen war, bevor Mirko sein Debut gab, waren sie sich in dieser Band nie begegnet). Passender war jedoch der geniale Keyboarder Matthias „Django“ Lehr, den Frank bei Ven Dease schätzen gelernt hatte. Erst in der Spätphase des Projektes fand sich mit Eric Hübner der Zappa-like Gitarrist, der sämtliche gewünschten Spielarten beherrschte und zwei offene Ohren besaß. Am Ende, als Frank und Mirko überlegten, die neue Rhythmusgruppe eines bekannten Saarbrücker Jazzpianisten zu werden, fand auch noch eine Session mit der Sängerin Andrea Bettinger statt, von der leider keine Aufnahmen existieren.

Dazwischen lagen einige Partykonzerte, Auftritte bei den von Frank organisierten „Saarlouiser City-Sessions“ in der Kasematt sowie ein offizieller Live-Gig am 15.11.1989 an selber Stelle, verstärkt durch die Gäste Ludwig Bach (sax, Ex-Bassist von Mask) und dem grade vom MIT heimgekehrten Michael „Mika“ Bedersdorfer (g.). Der Sound entsprach weitgehend hartem Fusion auf der Basis freier Improvisation mit dem „Groove“ als verbindendem Element. Mischungen aus den Stilen Rock, Jazz, Funk, Latin, Psychedelic und Metal waren an der Tagesordnung, irgendwo zwischen Red Hot Chili Peppers, Zappa, Brand X, Gentle Giant und The Can.

Ein spezieller Höhepunkt der Bandgeschichte waren die Dreharbeiten von Super Drumming 3, bei der Mirko und Frank Musikern wie Pete York, Jon Lord, Ian Paice, Mark Brzezicki und Frank Nimsgern begegneten und viel Spaß mit den abgefahrenen Kulissen in der Völklinger Gasgebläsehalle sowie einer zauberhaften Redakteurin und einer Maskenbilderin des SWR hatten. Erinnerungswürdig das Zitat des aufstrebenden saarländischen Gitarristen Frank Nimsgern, der gerade von Billy Cobham unter seine Fittiche genommen worden war, auf Franks Frage, mit wem er vorher im Saarland zusammen gespielt hätte: „Da möchte ich nicht drüber reden, die waren mir alle viel zu schlecht.“ Nun ja, Erfolg ist nicht einfach zu verkraften…

Das Projekt, das zeitweise auch unter „Django and the Groovemakers“, „The Magical Kitchen“ oder „The Running Rats“ firmierte, endete im Sommer 1990. Frank zog nach Frankfurt und Mirko begann sein Studium am Percussion Institute in Los Angeles, dem eine Laufbahn als Profimusiker und Musikdirektor in London folgte, u.a. für Bands wie Snap oder Prodigy. Ach ja: „Chinaski“ war der bürgerliche Name von Charles Bukowski…

Die CD’s

ChinaskiChinaskis Revenge: Palumbian Fantasy
DoCD, 150 min., MUZIK 024/25, 2005

Ein Querschnitt durch alle Improvisations-Sessions mit den Titeln: The Groove Is On, Holl Se, Wolfen, Wolfhound, Bassmans Zartheit Part II & III, Laura Fantasy Part I & II.

Die Downloads

Titel LoFiPrev CD Rec-Date Grösse
Laura Fantasy Part I Teil 1 (*) Preview Palumbian Fantasy     1990 9 MB
Laura Fantasy Part I Teil 2 (*) Preview Palumbian Fantasy     1990 13,3 MB

2 Songs online, davon 2 freigeschaltet bei MP3.de und 0 via MUZIK.

Das Cover kann im Download-Bereich von MUZIK23 heruntergeladen werden – hier geht es zu der Site bei MP3.de.

Die Photos

Links

Interview mit Mirko beim Berliner Stadtmagazin 030
Planet Drum – Mirkos Drummerschule in Berlin / London / Nizza.
Klangkanzler.de – Website von Eric Hübner

 

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin „the Bass“, dem Musikermagazin Kick’n’Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema „Musikimprovisation in der Sozialpädagogik“. Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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