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Irish Soul – Celtic Chaka in der Musikhalle

Celtic ChakraEin keltisches Chakra? Jedesmal wenn ich das Plakat an der Musikhalle Portstraße sah, phantasierte ich vor mich hin. Wie verbindet man indische Energiewirbel mit europäischer Vergangenheit? Was würde mich erwarten? Neo-Druiden in wallendem, weissen Rauschefummel? Abgespacte Esoteriker mit einem fatalen Hang zu Pure Single Malt? Oder doch… etwas ganz anderes?

Was mich wirklich erwartete, waren vier gestandene Herren mit Spielfreude und vorzüglicher Beherrschung ihrer Instrumente. Fast zweieinhalb Stunden lang boten sie einen Querschnitt durch den geografischen Raum, der heutzutage gern der keltischen Kultur zugerechnet wird – nur bretonisches konnte ich nicht entdecken. Was es war, hat der Bachauer Bote bereits 2004 nahezu perfekt beschrieben, nämlich „eine mitreissende Gratwanderung, die die Facetten der irischen Seele wiederspiegelte, von überbrodelnder Lebensfreude bis hin zu tiefer Melancholie.“ Dementsprechend konnte man ausgelassen tanzen, mitklatschen oder träumen.

Celtic Chakra
Als Frontmann fungiert der Ire Danny Kelly aus Donegal (Gitarre, Gesang, Cittern), unterstützt von Manfred Noll (Cittern, Banjy und Gesang). Beide moderierten souverän und mit Witz durch den Abend, erklärten Hintergründe der Songs oder führten durch die Metaphysik eines frühjahrsmüden Stimmgeräts. Genial ihre irische Variante des aus dem Jazz bekannten Scat-Gesangs oder die  esoterischen Scherze über die wiedergeburtlichen Hintergründe ihrer Musikerkarrieren, sei es als Ziege, deren Fell heute die Bodhran bekleidet, oder als Pferd, dessen Haare nun im Geigenbogen verarbeitet waren.

Glanzlichter zauberte Heiko Rühmkorff mit Geige, Tin Whistle und Flöte. Äusserlich ruhig, tanzten seine Töne über ein stabiles Fundament, das von Harald Sawatzki mit Bodhran und Percussion gelegt wurde. Dessen Virtuosität ging leider ein wenig im Sound unter – erst als ich einen Platz auf der Treppe links vor der Bühne fand, kam ich in den Genuss des Bassbereichs, der mir altem Tieftöner vorher gefehlt hatten, und auch all der Akzente, welche die Bodhran setzte.

Die ungefähr 40 Zuhörer in der Musikhalle waren jedenfalls begeistert und hielten bis zum Schluss durch.  Eine vielseitige und authentische Gruppe, deren reifes Standing sich sehr angenehm von den MTV-Attitüden vieler junger Rockbands abhob – da kam sogar die Werbung für die eigene CD sympathisch rüber!

Hier geht es zur Website von Celtic Chakra und hier zu Fotos vom Gig:

 

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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