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Musikimprovisation mit behinderten Menschen

Jede Behinderung führt

Laut Ulrich HÄHNER (in FINKEL, 307) zu Deviationen einer an sich möglich gewesenen Entwicklung, die sich im psychologischen Bereich als Beeinträchtigung des Lernens, der sozialen Eingliederung und – da Sprache das Medium dieser beiden Faktoren ist – der sprachlichen Kommunikation zeigt. Die Bedeutung der Anwendung von Musik ist hier nicht zu unterschätzen. Auch VOGELSÄNGER bezeichnet Musik in der Behindertenarbeit – neben der Wichtigkeit von Bewegungstherapie – als unersetzliches Medium, das in vielen Situationen erst die Voraussetzungen für die Arbeit des Sozialpädagogen schaffen kann (in FINKEL, 550). Für Ruth BEIER steht im Vordergrund, daß durch Musik die kinästhetische Wahrnehmung gefördert und feinmotorische Arbeit mit Materialien geleistet wird (in FINKEL, 441). Da die Kommunikationsmöglichkeiten des Behinderten oft erheblich eingeschränkt sind, kommt der Musik gerade als Ausdrucksform große Bedeutung zu (vgl. SCHWARTING, 6).

Den Behinderten gibt es nicht,

genausowenig wie den Nichtbehinderten. Zudem stellt KELLER fest: „Jeder Mensch ist ja in Bezug auf bestimmte Aufgabenbereiche behindert und keiner normal, wenn Normen ihre Allgemeinverbindlichkeit verlieren!“ (in FINKEL, 309) Gerade diese Feststellung läßt einen integrativen Ansatz als wünschenswert erscheinen, doch sieht die Praxis meist anders aus.

Für Jutta SCHWARTING liegt der Unterschied bei der praktischen Arbeit mit Nichtbehinderten und Behinderten „vorwiegend in der Art der Methodik.“ (S. 7) Ich finde es allerdings schwierig, hierbei eine Linie zu formulieren, da sich zum einen Behinderungen durch alle Altersstufen erstrecken, und zum anderen eine Vielzahl möglicher Körper- und Geistesbehinderungen existieren. Dies führt mich zu der Notwendigkeit, jeden behinderten Menschen entsprechend seiner Alters- bzw. Reifestufe sowie seiner Individualität und Behinderung gemäß zu behandeln.

Den Unterschied in der MI

mit behinderten und der mit nichtbehinderten Menschen machen also die Beschränkungen aus, die durch die Behinderung auferlegt werden. Aufgrund der häufigen Schwierigkeiten mit der Motorik ihres Körpers ist so zu fragen, welche Instrumente in der Arbeit mit behinderten Menschen benutzt werden können. Ähnlich wie in der Arbeit mit Kindern und Senioren sind einfache und robuste Instrumente zu empfehlen. Jutta Schwarting bezeichnet Klavier und Gitarre als die vielseitigsten Instrumente (S. 9f), doch dürfte die Verwendung von sogenannten Elementarinstrumenten ergänzt durch Stabspiele und Lotusflöte sinnvoller sein, da auch sie die Möglichkeiten bieten, wesentliche musikalische Dinge auszudrücken.

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass" (vorher: "Der rasende Bass-Bote") & dem hessischen Musikermagazin Kick'n'Roll. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter. Bands: Bernstyn, Procyon, Uwe Peter Bande, Ven Dease (Saarland) sowie Reality Liberation Front, PLK, Valis (Frankfurt). Live-Mixer bei Lay de Fear.

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