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Musikimprovisation mit Kindern

Gerade in der Arbeit mit Kindern

ist die Vorbereitung für den Sozialpädagogen wichtig. Wenn er in seinem Handeln unsicher ist, kann es geschehen, daß Kinder schnell die Lust oder das Interesse verlieren. Deshalb sollten vor der GI Vorstellungen über den Ablauf existieren bzw. eine Auswahl an Spielvorschlägen vorhanden sein. Allerdings ist es hier auch wieder notwendig, flexibel reagieren zu können: wann ist es wichtig, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen, wann ist es notwendig, daß die eigenen Vorstellungen umgesetzt werden. Hier gibt es keine Patentlösungen, sondern verschiedene Herangehensweisen je nach Situation und Gruppenzusammensetzung, nach pädagogischer Einstellung und bisherigen Erfahrungen.

Während meiner Tätigkeit

in einer Lern- und Spielstube führte ich einige MIs mit Kindern durch. Dabei fiel mir die Wichtigkeit von Strukturierung und Vorgaben auf, ohne die ein chaotisches Ausagieren der Kinder (vor allem der Jungen) unvermeidlich war, was eher zur Zerstörung der Instrumente als zum Erreichen einer neuen Improvisationsphase – der des Zuhörens und Aufeinandereingehens – führen konnte. Allerdings war die leitende Erzieherin der Einrichtung sehr dominant und eine Anhängerin von starker Reglementierung. Zudem kam ein Großteil der Kinder aus dem osteuropäischen Raum, so daß sie nicht in der Lage schienen, mit Freiheiten umzugehen. Drittens waren die Kinder nur bekannte Mitsinglieder gewöhnt. Die Übertragbarkeit meiner Erfahrungen ist also fraglich.

Gerade über jene bekannten Kinderlieder

ist ein vorsichtiges Hinarbeiten auf Improvisation möglich, indem beispielsweise:

  • vorhandene Texte verändert oder auf existierende Melodien neue Texte erfunden werden
  • bei geeigneten Liedern der Text zusätzlich klanglich illustriert wird

So können Kinder ungewohntes mit einem bekannten Rahmen verbinden, sofern dies nötig ist. Allerdings bin ich mir sicher, daß gerade Kindern Improvisation etwas Vertrautes ist. Nach MOOG treten bei Kleinkindern (vor allem im dritten Lebensjahr) häufig Spontangesänge auf, die vermutlich eine Notwendigkeit zur Aneignung wichtiger Fähigkeiten sind (vgl. 1968, 79).

Kinder besitzen eine hohe Imaginationsfähigkeit

und großen Phantasiereichtum. Dies sind ideale Voraussetzungen gerade für Klangspiele und die Verbindung von Musik mit erfundenen Geschichten. In diesem Zusammenhang ist für mich in der Arbeit mit Stadtkindern beispielsweise eine Klangreise vorstellbar, die in vertrauter Umgebung beginnt und aufs Land hinausführt (oder um die Erde mit ihren vielen Kulturen und Klängen oder gar in den Weltraum hinaus). Der Sound wird dabei hauptsächlich mit der Stimme kreiert: die Geräusche der Transportmittel, die Stimmen der Tiere.

Dies führt zum nächsten wichtigen Punkt,

dem Instrumentarium. Das wichtigste Musikinstrument ist für mich der menschliche Körper mit seinen Ausdrucksmitteln wie Singen, Pfeifen, Klatschen und Stampfen (vgl. JACOBY in HOERBURGER, 1991, 35), wodurch bei Kindern die Wahrnehmung ihrer selbst gefördert werden kann. Bei Verwendung von Instrumenten gibt es folgende mögliche Orientierungspunkte:

  • Kinder besitzen oft noch nicht genügend ausgeprägte motorische Fähigkeiten (was auch ein Pluspunkt für Klangspiele gegenüber Rhythmusspielen ist)
  • Die Instrumente sollten nicht zu groß, möglichst einfach zu handhaben und relativ widerstandsfähig sein.

So hat Carl ORFF gerade für die Arbeit mit Kindern das nach ihm benannte Instrumentarium entwickelt, das einfache und körpernahe Instrumente bezeichnet, die sowohl rhythmisch wie auch melodisch verwendet werden können. Eine weitere Möglichkeit ist der Selbstbau von einfachen Instrumenten, was zusätzliche Aspekte ins Spiel bringt, oder die Verwendung von Alltagsgegenständen zum Musizieren, was auch ein Mittel ist, den Bezug zum kindlichen Alltag herzustellen (gleiches ist über die Thematisierung von aktuellem Geschehen und kindlichen Erfahrungen bei der MI möglich).

Was den Einsatz anderer Medien angeht, so wurde die Verwendung von Sprache schon erwähnt. Da Kinder gerne malen und – vor allem Kleinkinder – auch sehr bewe-gungsfreudig sind, ist der Einsatz von Bild und Tanz ebenfalls sehr positiv zu bewerten. Letztendlich ist für mich der spielerische Umgang mit Musik wichtig, vor allem in einer angstfreien Atmosphäre (vgl. KELLER, 1976, 64)

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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