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Lex van Someren and Friends in der Gethsemane Kirche – Von Weltmusik bis Esoterik-Pop

veröffentlicht in der Kick’n’Roll Nr. 12, Juni 96


Gast des Frankfurter Rings in der Gethsemane-Kirche war diesmal Lex van Someren, ein Holländer, der seit kurzem in Frankfurt lebt. Vor über einem Monat gab er dort schon zusammen mit Kailash (Didgeridoo) und anderen ein phantastisches Konzert, das stark von der Improvisation lebte. Diesmal war es ganz anders.
Lex hatte seine Clownstheater-Darbietungen, mit denen er das Publikum erheiterte, weiter ausgebaut, ebenso seine Tanzeinlagen. Ein Großteil der Musik stammte von seiner neusten CD „Ayam“, die viel synthetische Klänge enthält (drums, keyb.), erweitert durch ethnische und klassische Instrumente, vor allem Geige und Saxophon. Diese kam leider von Band, da Lex in Frankfurt noch keine adäquaten MusikerInnen gefunden hat.
Lex selbst brillierte live mit seinem wunderbaren Gesang und seiner Pfeifkunst. Unterstützt wurde er von Töm Klöwer (Percussion, Didgeridoo, Saxophon, Flöte, Streichpsalta, Gongs) und der Tänzerin Luna Müller. Letztere setzte die Musik – vor allem in ihrem großen Tanzsolo mit Töm – ausdrucksvoll um, doch blieb ihre Mimik oft distanziert.
Der erste Teil des Konzertes ließ eine Linie vermissen, zu beliebig reihten sich meditative an rhythmische Livestücke, durchbrochen von „Ayam“-Songs. Geschlossener wirkte der zweite Teil, in dem das unerwartet spärliche Publikum immer wieder eifrig mitklatschte. Doch bei solch gefällig-seichter Musik und Textzeilen wie ‘Shangri-La is in my heart’ sehe ich vor meinem geistigen Auge glückstrahlende esoterisch-angehauchte Frauen um die 35-40, die zur New-Age-Schlagerparade mitschunkeln. Von der vitalen Energie des letzten Konzertes spürte ich in diesen Ayam-Stücken kaum etwas. Rosa Brille statt Transformation. Schade. 
Kontakt: Lex van Someren, Rosegger Str. 9, 60320 Frankfurt, Fon&Fax: 069/5603333

Lex hat mich im Januar 2001 angerufen, da er aufgrund dieses Artikels – in dem er in die Nähe esoterischer Musik gerückt wird – heute berufliche Nachteile erfahren musste. Ich möchte deshalb an dieser Stelle alle Veranstalter daran erinnern, dass Künstler sich genauso wie alle anderen Menschen im Laufe der Jahre verändern und weiterentwickeln. Und dass mein damaliger Konzerteindruck auch eine subjektive Meinung darstellt. Es muss alles nichts mehr mit der heutigen Realität zu tun habe. Den aktuellen Stand der Dinge kann man auf der Website von Lex nachpruefen.

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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