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Ekstase in Orschel – Low500, Daturah und Velveteen

Low500Es gibt sie, diese magischen Nächte. Nächte, die sich bereits während ihres Geschehens als perfekt geschliffener Kristall zu erkennen geben. Wo es kein "born to late" mehr gibt, sondern einfach nur die Ekstase einer sommerlichen Vollmond-Nacht mit dem perfekten Soundtrack dreier Bands. 

Manchmal darf man solche Nächte sogar in Oberursel am Rande des Taunus
erleben, in einem kleinen versteckten Hinterhof – weitab des üblichen
Brunnenfestprogrammes. Die letzten Jahre undenkbar. Vorher, da gab es den Hof von Hendoc, wo es richtig gut zur Sache ging. Wo ich nichtsahnend einlaufen konnte, um wenige Minuten später auf der Bühne zu stehen, bei einer mir völlig unbekannten Band, deren Bassist spurlos verschwunden war. Wo hinterher noch Sessions mit anderen Klasse-Musikern abgingen und ich für diese Aktionen das ganze Brunnenfest Caipirinha bis zum Abwinken für umme genießen durfte. Doch dann schloss Hendoc seinen Hof und Eingeplackte klagten während des Brunnenfests auf verminderte Lautstärke, die gerade noch für Unplugged reichte. Das Ende. Wirklich?

Low500
Hey, sagte Schraut, in Arnts Hof spielten Low500. Arnts Hof? Der Name war vertraut, hatte ich die Location doch bereits im letzten Jahr vergeblich gesucht. Diesmal gabs allerdings eine genaue Beschreibung und ich fand mich am 10. Juni vor einer Bühne wieder. Zwei kleine Bose-Boxen machten einen Super-Sound. Zu Anfang spielte Velveteen – eine weise Entscheidung. "Deutscher Independent-Pop mit englischen Texten", eingängig, ohne langweilig zu wirken. Der perfekte Opener. Sauber gespielte Mukke, motivierend, aber stressfrei, ein Genuss für meine Ohren und richtig gut zum Einchecken.

DaturahDanach startete ein Raumschiff in den Kosmos von Daturah. Rein instrumentaler "Ambient Noise Rock", gepaart mit einer Dia-Show. Psychedelic-Rock pur, Improvisation auf der Basis vorhandener Songstrukturen. Der alte Can-Fan in mir jubelte. Was könnte passieren, wenn dieser Band auch noch der adäquate Sänger oder die kongeniale Sängerin begegnen würde? Doch wie Mathias (guitar, sounds), Flo (guitar), Patrick (drums), Benni (bass, synth) und Ralf (samples, synth) an diesem Abend abgingen, war ein ekstatisches Plädoyer für den auditiven Rausch. Konnte danach – ausser einem Termin beim Osteopathen für die Halswirbelsäulen der Musiker – wirklich noch etwas kommen? 

Es konnte. Low500 steuerte mit Warp23 mittenrein in eine Supernova. 

Low500 Diese Band begeisterte mich bereits im Hazelwood. Doch hat das Line-Up mittlerweile sein Gesicht verändert: der Drummer Marokko ist ausgestiegen und laut Bandinfo sind Nigel, Flo und Bene neu hinzugekommen. Dazu sollte es nicht nur die Kracher von der ersten CD "High Commissioner" zu hören geben, sondern Bandow versprach mir neue Songs. Fiel das erste Stück noch in die Kategorie "Soundcheck", waren Band und Publikum danach nicht mehr zu halten. Die Doppel- und teilweise Dreifachbesetzung an den Keyboards erweiterte das Soundspektrum in eine technoid-psychedelische Richtung, dazu die messerscharfen Riffs von Bandow, das sparsame Wummern eines wahnsinnig dreischauenden Bassers und darüber der exaltiert servierte Gesang von Sascha, mit einem Touch von Brian Ferry. Eine geile, authentische Show, das Publikum rockte, kurz und gut: es war wie Ficken auf der drehbaren Livebühne. Wer diesen Höhepunkt verpasste, Arnts Hof nicht fand, dem bleibt nur das Versprechen auf nächstes Jahr, wenn eine ähnliche Kombination von Bands wieder vom Brunnenfest aus in Bereiche vordringen wird, die der gemeine Orscheler nie zuvor gehört hat.

 

Ich danke:

Dem Team von Arnts Hof für diese Nacht und alle weiteren auf dem Brunnenfest

Kismet Salahor für die Fotos vom Low500-Gig

Mr. Pan für den ganz persönlichen Support und den Rundflug in einem phantastischen UFO

Arun für das klassische Gitarrernspiel und "Frankfurt Hot" für den mitreissenden Jazz am Sonntag. Die mit Vorschusslorbeeren bedachte "Johnny Cash Coverband" aus bekannten regionalen Größen animierte mich – teils auch aufgrund der schwachen Bühnenpräsenz – dann eher zum Gehen. Doch zum Glück waren andere begeistert. Wir sehn uns! Nachtrag: Mittlerweile bin ich Fan, siehe "A Tribute To Johnny Cash – Brunnenfest 2008".

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

1 Kommentar

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