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Improvisation in verschiedenen Musikidiomen – Zusammenfassung

Improvisation ist Teil

vieler musikalischer Idiome. In manchen ist ihre Bedeutung groß wie in der indischen Musik oder im Free Jazz, während sie z.B. in der elektronischen Musik wenig Bedeutung besitzt. Doch allen Stilen ist eine bestimmte Ansicht gemeinsam:
Improvisieren muß gelernt sein. Sie ist etwas für Musiker, die in der Regel die Beherrschung ihres jeweiligen Instrumentes über viele Jahre hin gelernt haben. Jean LANGLAIS von der Pariser Organistenschule (Paris gilt als der Hauptsitz der Kunst zeitgenössischer Orgelimprovisation, wobei Improvisation ein äußerst wichtiger Bestandteil des Orgelspiels seit Entwicklung der Orgelmusik ist) sagt: „Ich glaube nicht, daß es so etwas wie eine freie Improvisation gibt, denn zum Improvisieren muß man Harmonielehre, Kontrapunkt und Improvisieren beherrschen.“ (BAILEY, 70) So wird die Kunst der Improvisation wieder völlig mit dem Besitz technischer Fertigkeiten verknüpft.

Große Bedeutung hat

in jeder idiomatischen Improvisation die Assimilation durch Nachahmung. Dies spiegelt sich dann in der oft gehörten Aussage wieder, dieser oder jener Musiker spiele wie … (und dann folgt der Name eines bekannten oder anerkannten Musikers). Auf diese Weise kann die Aneignungstechnik zur Bedrohung der Improvisation führen. Auch ist allen Musikidiomen eigen, daß ihnen eine bestimmte Form bzw. ein Gerüst zugrundeliegt, innerhalb der bzw. auf dem aufbauend improvisiert wird, sei dies ein Raga, eine Fuge oder das Bluesschema. Dies geht einher mit einer bestimmten Geisteshaltung, deren Ausrichtung stilkennzeichnend ist.

„Kein idiomatischer Improvisator

behandelt Improvisation als eine gesonderte Tätigkeit. Ihm geht es einzig und allein um das Idiom: die Improvisation steht für ihn im Dienste des Idioms und ist dessen Ausdruck.“ (BAILEY, 39) In einer Doppelfunktion „garantiert Improvisation die Authentizität des Idioms und bildet die treibende Kraft für Wandlung und kontinuierliche Entwicklung, die es dem Würgegriff einer akademischen Obrigkeit entzieht.“ (BAILEY, 39)

Die aufgeschlossenste Sichtweise

eines Musikers, die mir bekannt ist und der Wahrheit wohl am nächsten kommt, hat der britische Jazzmusiker Ronnie SCOTT: „(…) ich bin überzeugt, daß es ebenso viele Standpunkte und Auffassungen von Improvisation, daß es ebenso viele Arten zu improvisieren und Wege auf Improvisation hinzuarbeiten, wie Menschen gibt.“ (BAILEY, 89) Und für den Sopransaxophonisten Steve LACY ist das einzig wichtige Kriterium für Musik: „Ist das ganze lebendig oder ist es tot?“ (BAILEY, 96) Den stärksten Aufforderungsimpuls enthält der Ausspruch des Trompeters Don CHERRY: „Also, spielen wir.“ (BAILEY, 95)

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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