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Recht und Musik: Zwei Welten begegnen sich

veröffentlicht in der Kick’n’Roll Nr. 11, März 96

Welcher Künstler hat schon gerne etwas mit der Juristerei zu tun? Doch hinter den Kulissen agieren Musikanwälte als Mittler zwischen Bands und Plattenfirmen oder als Berater von MusikerInnen. Frank Doerr besuchte Dagobert Belau, der schon lange im Geschäft ist.

K’n’R: Sie arbeiten nicht solo, sondern in einer Kanzlei. Mit welchen Rechtsgeschäften beschäftigt sich diese vorwiegend?

DB: Sie ist u.a. auf Urheberrecht spezialisiert, insbesondere auf Musikrecht. Wir beraten in- und ausländische Künstler, Musikproduzenten und Konzertveranstalter.

K’n’R: Welchen beruflichen Weg haben Sie seit ihrem Jurastudium zurückgelegt?

DB: Zunächst war ich im Wirtschaftsrecht, dann habe ich in einem PR-Büro gearbeitet. 1970 bin ich durch meinen Freund Alfred Biolek zu der Videothek Programm GmbH in Wiesbaden gekommen und habe dort mitgeholfen, das Kassettenfernsehen zu entwickeln. 1974 bis 84 bin ich bei der CBS in Frankfurt Justitiar gewesen, habe dort das Musikrecht von der Pike auf gelernt und praktiziert. Ich war auch Mitglied des Juristenkomitees der Phonoverbände und bin seit 1978 Branchenanwalt.

K’n’R: Kommt diese Verbindung von Recht mit Musik ihren persönlichen Neigungen entgegen?

DB: Ich bin sehr musisch interessiert und spiele selbst ein Instrument. Die Juristerei kann sehr trocken sein, aber in diesem Bereich ist sie, nun, blumenreich.

K’n’R: Was spielen Sie?

DB: Gitarre, aber nur als Amateur. Ich bin sozusagen Bänkelsänger.

K’n’R: Welches sind Ihre Klienten?

DB: Meine Mandanten sind Komponisten, Texter, Musikinterpreten, Producer, Musikverlage, aber auch Lizenznehmer wie z.B. Werbeagenturen, die Tonaufnahmen für Werbespots benötigen. Ich berate Künstler auch bei der Merchandisingverwertung. Insgesamt ist es eine große Palette.

K’n’R: Wird Ihre Tätigkeit auch von neueren technologischen Entwicklungen betroffen?

DB: Ja, ich habe ebenfalls Mandanten im Bereich der Digitaltechnik. Ein Musikanwalt ist auch gefordert, bei der Beschaffung von Rechten für Datenautobahnen und Online-Systeme mitzuwirken. Die Musikbranche entwicklelt sich sehr lebhaft im Multimedia-Bereich, CD-Rom etc..

K’n’R: Welche typischen Probleme begegnen Ihnen?

DB: Es gibt Künstler, die zu mir kommen, um aus einem bestehenden Vertrag herauszukommen, weil nichts geschieht, keine Aufnahmen gemacht oder vorhandene nicht herausgebracht werden.

K’n’R: Und was können Sie für Musiker ohne Vertrag tun?

DB: Viele Künstler kommen, um sich ihre Titel zu Beweiszwecken bei mir hinterlegen zu lassen. Dies kostet nicht viel.Soweit möglich versuche ich, Künstler über Demos bei der einen oder anderen Schallplattengesellschaft unterzubringen.
Dies ist nicht leicht, die Gesellschaften haben ein Riesenangebot an neuen Aufnahmen. Es geschieht auf unterschiedlichen Wegen, wie Künstler dann unter Vertrag genommen wird. Bei Vertragsabschluß berate ich Künstler über die Eckwerte und wichtigen Punkte, damit faire Verträge zustande kommen.

K’n’R: Was raten Sie unseren LeserInnen?

DB: Ich empfehle jedem Musiker, sich frühzeitig über rechtliche Dinge beraten zu lassen, um Fehler schon von vornherein zu vermeiden. Es kann sonst schwierig sein, im Nachhinein Pannen auszubügeln oder aus einem Vertrag wieder herauszukommen.Über die Adressen von im Musikrecht spezialisierten Anwälten gibt die Anwaltskammer Auskunft.

K’n’R: Vielen Dank für das Gespräch.

Tor Loewenherz

Autor: Tor Loewenherz

Mit acht Jahren Klavierunterricht, ab 18 E-Gitarre und Bassgitarre. Ab 1983 erste Band. Erster Tonträger 1989 (MC VenDease live). Lehrer für Bassgitarre. Als Musik-Journalist beim Fachmagazin "the Bass", dem Musikermagazin Kick'n'Roll u.a.. Musik-Projekte in Offenbach und Frankfurt mit Jugendlichen aus sozialen Brennpunkten. Gesangsunterricht im Bereich funktionaler Stimmbildung nach Lichtenberg und Reid mit Studium klassischer Literatur. Diplomarbeit zum Thema "Musikimprovisation in der Sozialpädagogik". Seit 1996 sporadische Auftritte mit meist improvisiertem Charakter.

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